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Das Migräne-Paradox: Sport oder kein Sport – das ist hier die Frage

Obwohl Bewegung eine Migräne-Attacke verschlimmern kann, wird Migräne-Patienten zu regelmässiger Bewegung geraten. - Migräne und körperliche Aktivität? Wie passt das überhaupt zusammen? 

AdobeStock 430855779 ivanko80 500Wenige Dinge sind so verwirrend wie der Zusammenhang zwischen Sport und Migräne. Laut Internationaler Kopfschmerzgesellschaft (IHS) lautet ein Kriterium der Migräne «Verschlimmerung durch körperliche Aktivität». Dennoch wird Migräne-Patienten empfohlen, sich regelmässig zu bewegen. Aber weshalb? Und macht das überhaupt Sinn? Viele Migräniker machen genau das Gegenteil und vermeiden Bewegung, um keinen Anfall zu provozieren.

Was sind die Gründe dafür, dass Bewegung Migräne auslösen oder verschlimmern kann?

Die Zusammenhänge sind bis jetzt nicht vollständig geklärt. Es gibt verschiedene Hypothesen. Zwei davon befassen sich mit zwei verschiedenen Neuropeptiden: Hypocretin (auch Orexin genannt) und CGRP. Hypocretin wird vom Hypothalamus produziert und trägt zur Regulierung von Schlaf- und Erregungsmustern bei. Es wird immer wieder vermutet, dass Hypocretin an der Entstehung der Vorzeichen einer Migräne wie Gähnen, Müdigkeit und Heisshunger beteiligt ist. Es wird vermutet, dass Sport diesen Signalweg beeinflusst.1 Bewegung kann auch den CGRP-Spiegel erhöhen, und wie wir wissen, spielt CGRP eine wichtige Rolle bei Migräne. Allerdings wurde keine dieser beiden Theorien über Sport und Migräne umfassend untersucht.

Aktivierte Nerven und Entzündungsfaktoren

Ein weiterer möglicher Grund für die akuten Schmerzen, die während der Migräne bei Bewegung auftreten können, ist die Aktivierung des Trigeminusnervs während einer Migräneattacke. Der Trigeminusnerv interagiert mit den Blutgefässen der Hirnhäute. Seine Aktivierung führt zur Freisetzung von entzündungsfördernden Substanzen. Das bedeutet, dass die pulsierenden Empfindungen in diesen Blutgefässen, die normalerweise nicht gespürt würden, plötzlich als schmerzhaft empfunden werden. Die Schmerzen verschlimmern sich dann natürlich, wenn man sich bewegt und sich die Herzfrequenz erhöht.(1)

Warum kann Bewegung Migräne-Patienten trotzdem helfen?

Wenn wir sagen, dass Sport Migräne-Patienten guttut, meinen wir natürlich nicht dann, wenn es den Betroffenen schlecht geht. Sport hat vor allem eine vorbeugende Wirkung, weil er die Konzentration des Beta-Endorphins erhöht, einem körpereigenen Opioid, das schmerzlindernd wirkt. Es wurde festgestellt, dass Migräne-Patienten im Vergleich zu Menschen ohne Migräne tiefere Beta-Endorphin-Spiegel aufweisen. Und wie kann die Konzentration von schmerzlinderndem Beta-erhöht werden? Durch niederschwelliges Ausdauertraining (50 Minuten) oder hochintensives Training, das die anaerobe Schwelle überschreitet.(1)

Sport lindert Schmerz und fördert ein Hochgefühl

Bei Migräne-Patienten sind jedoch nicht nur die körpereigenen Schmerzmittel reduziert im Vergleich zu Nicht-Migränikern, sondern auch das sogenannte Endocannabinoid-Liganden Anandamid, kurz AEA, das zum Belohnungssystem gehört und vermutlich für das Hochgefühl nach intensiver körperlicher Anstrengung sogt (das «Hochgefühl des Läufers»). Die tieferen AEA-Spiegel bei Migräne-Patienten tragen zu einer erhöhten Schmerempfindlichkeit und zur Chronifizierung der Migräne bei. Doch auch die AEA-Spiegel können durch körperliche Aktivität erhöht werden.1 Eine kürzlich durchgeführte Literaturrecherche hat ergeben, dass strenges aerobes Training eine signifikante Abnahme der Migränehäufigkeit, -intensität und -dauer bewirken kann. Bei einer hohen Trainingsintensität war auch der Nutzen höher. Insgesamt ist die Forschung in diesem Bereich jedoch noch sehr limitiert.(2)

Was ist mit Yoga?

Viele Migräne-Patienten lieben Yoga und empfinden es als hilfreich. Vor allem für diejenigen, die als schwierig empfinden, Aerobic oder Sport mit hoher Belastung in ihr Trainingsprogramm aufzunehmen. Eine kürzlich durchgeführte klinische Studie (die CONTAIN-Studie) untersuchte, ob Yoga als Zusatztherapie (zusätzlich zur verordneten medikamentösen Therapie) bei episodischer Migräne hilfreich ist. Die Patientengruppe, die zusätzlich zur regulären medikamentösen Therapie auch Yoga einbezog, erlebte tatsächlich eine stärkere Verbesserung der Häufigkeit und Intensität der Kopfschmerzen und benötigte weniger Akutmedikamente.(3)

Wie wendet man Sportübungen bei Migräne richtig an?

So unterschiedlich Menschen mit Migräne sind, so unterschiedlich sind auch die Arten von Bewegung, die möglich und hilfreich sind. Nicht alle können sofort mit einer Yoga-Stunde starten, weil der Einsatz des Oberkörpers eine Migräne auslöst. Viele Betroffene beginnen mit Spaziergängen oder Übungen im Schwimmbad. Andere erzielen nur eine Linderung, wenn sie jeden Tag lange und anstrengende Trainings absolvieren.

Bewegung hilft auch bei anderen Problemen

Wir sollten auch die Tatsache nicht ignorieren, dass Bewegung noch bei einigen anderen unangenehmen Begleiterscheinungen der Migräne hilfreich sein kann, wie beispielsweise Schlaflosigkeit, Depression und Angstzustände.(1) Wenn man nicht sofort Ergebnisse in Bezug auf die Schmerzen oder die Häufigkeit der Migräne sehen kann, sollte man vielleicht darauf achten, welche Auswirkungen Bewegung auf die anderen Symptome oder Komorbiditäten hat.

Herausfinden, was geht

Der erste Schritt besteht nun wohl darin, herauszufinden, welche Arten von Bewegung durchgeführt werden können, ohne die Symptome zu verschlimmern. Im zweiten Schritt geht es dann darum, Bewegung gezielt zur Migränevorbeugung und zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit und des Wohlbefindens einzusetzen. – Viel Spass!

In Anlehnung an Aussagen aus einem Podcast von Dr. L Weitzel Autor von Kinder Migränegeschichte «Super Zoe the Migraine Hero» (auf Englisch).

Referenzen

  1. Amin FM et al. The association between migraine and physical exercise. J Headache Pain. 2018 Sep 10;19(1):83.
  2. Barber M, Pace A. Exercise and migraine prevention: a review of the literature. Curr Pain Headache Rep. 2020 Jun 11;24(8):39.
  3. Kumar A et al. Effect of yoga as add-on therapy in migraine (CONTAIN): A randomized clinical trial. Neurology. 2020 May 26;94(21).

Bild: AdobeStock/ivanko80

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