Warum CGRP-Medikamente nicht bei allen Migränepatienten wirken
Die neuen CGRP-Antikörper und Gepante haben die Migränetherapie revolutioniert. Doch etwa ein Viertel der Betroffenen spricht kaum darauf an. Der Grund: Migräne ist komplexer als gedacht – und CGRP nur ein Puzzleteil von vielen.

Seit 2018 stehen Medikamente zur Verfügung, die gezielt das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) blockieren – ein Protein, das massgeblich am Migräneprozess beteiligt ist. Viele Betroffene berichten von einer deutlichen Reduktion ihrer Anfälle. Andere hingegen erleben kaum oder gar keine Besserung. Wie lässt sich das erklären?
Migräne ist mehr als «schlimme Kopfschmerzen»
«Einer der grössten Mythen über Migräne ist, dass es sich dabei nur um Kopfschmerzen handelt», sagt Dr. Peter Goadsby, Professor für Neurologie an der University of California in Los Angeles. «Das ist völlig falsch. Migräne ist eine Erkrankung des Gehirns.»
Weltweit ist jeder Siebte von Migräne betroffen – sie zählt zu den häufigsten Ursachen für Behinderung. Die Erkrankung zeigt sich als Spektrum: Manche Menschen haben episodische Migräne mit weniger als 15 Anfallstagen pro Monat, andere leiden unter chronischer Migräne mit 15 oder mehr Tagen.
Die Rolle von CGRP bei Migräne
Bereits seit 1988 wissen Wissenschaftler, dass CGRP ein wichtiges Ziel für die Migräneforschung ist. Das Neuropeptid verursacht Entzündungen um den Trigeminusnerv, erweitert die umliegenden Blutgefässe und verstärkt Schmerzsignale. Es setzt eine Kaskade von Gehirnaktivitäten in Gang, die einen Migräneanfall auslösen können.
Nach 30 Jahren intensiver Forschung kamen 2018 die ersten monoklonalen CGRP-Antikörper und Gepante auf den Markt. Im Vergleich zu älteren Präventivtherapien – die ursprünglich für Depressionen, Bluthochdruck oder Epilepsie entwickelt wurden – haben diese migränespezifischen Medikamente weniger Nebenwirkungen. Besonders erfreulich: Ein unerwartet hoher Anteil der Behandelten erlebte eine Reduktion der Kopfschmerztage um mindestens 75 Prozent.
Warum die Therapie nicht bei allen wirkt
Trotz dieser Erfolge sind die Ergebnisse nicht universell. Laut Goadsby berichten etwa die Hälfte der Patienten von einer 50-prozentigen Reduktion der Kopfschmerztage. Rund 25 bis 30 Prozent sind sogenannte Non-Responder – sie erleben kaum oder gar keine Verbesserung.
«Wenn Sie die Hälfte der Anfälle verlieren und immer noch die andere Hälfte haben, dann sagt Ihnen das, dass noch andere Faktoren eine Rolle spielen», erklärt Goadsby. Die moderne Wissenschaft zeigt zunehmend, dass die Pathophysiologie der Migräne bei jedem Betroffenen unterschiedlich sein kann.
Mehr Werkzeuge für eine komplexe Erkrankung
Wenn Migräne mehr als ein Problem ist, braucht es mehr als ein Mittel, um sie zu behandeln. «Niemand, der zu Hause Heimwerkerarbeiten durchführt, hat nur ein einziges Werkzeug», sagt Goadsby. «Migräne ist kein Problem der Tischlerei, aber das Prinzip ist dasselbe: Man braucht genügend Werkzeuge, um die Bandbreite der Anfälle zu behandeln.»
Die Forschung arbeitet bereits an weiteren Ansatzpunkten. Für Betroffene, bei denen CGRP-Therapien nicht ausreichend wirken, könnten künftige Behandlungen andere Mechanismen im Migräneprozess adressieren.
Quellen
• Goadsby PJ et al. Release of Vasoactive Peptides in the Extracerebral Circulation of Humans and the Cat During Activation of the Trigeminovascular System. Annals of Neurology. 1988.
• Interview with Peter Goadsby, MD. Migraine World Summit. March 2024.
• Pescador Ruschel MA et al. Migraine Headache. StatPearls Publishing. January 2024.
Bild: KM/Adobe Stock
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